Ein gehackter Zugang – ob Hosting, E-Mail-Postfach oder Kundenkonto – muss schnell und in der richtigen Reihenfolge behandelt werden. Diese Anleitung zeigt, was im Ernstfall zu tun ist und wie du dich künftig schützt.
Woran du einen Angriff erkennst
- Logins oder Änderungen, die du nicht selbst vorgenommen hast.
- Plötzlich versendeter Spam über dein Postfach oder deinen Server.
- Fremde Inhalte, Weiterleitungen oder unbekannte Dateien auf der Website.
- Warnungen von Browser, Suchmaschine oder Blocklisten.
- Unerwartete Passwort-Zurücksetzen-Mails.
- Besucher berichten von seltsamen „Sicherheitsabfragen", Pop-ups oder Aufforderungen, Tastenkombinationen auszuführen.
Wofür gekaperte Websites missbraucht werden
Ein gekaperter Zugang wird selten nur „ausspioniert" – die Website wird aktiv missbraucht:
- Spam/Phishing in deinem Namen über erfundene Absenderadressen deiner Domain – schadet Ruf und Zustellbarkeit.
- Angriffe auf deine Besucher: täuschend echte „Sicherheitsabfragen" (z. B. gefälschtes „Ich bin kein Roboter"), die Besucher verleiten, Befehle auszuführen und sich so Schadsoftware zu installieren.
- Verteilung von Schadcode sowie SEO-Spam (fremde Links/Weiterleitungen).
Wichtig: Warne aktiv Besucher und Mitarbeitende. Wer einer Aufforderung zu Tastenkombinationen oder zum Öffnen eines Programms gefolgt ist, sollte den Rechner fachlich prüfen lassen.
Sofortmaßnahmen – in dieser Reihenfolge
- Ruhe bewahren, nichts überstürzt löschen. Spuren (Logs) sind für die Ursachenanalyse wichtig.
- Passwörter ändern – von einem sauberen Gerät aus. Zuerst der betroffene Account, dann alle verknüpften Zugänge, besonders das E-Mail-Postfach (es ist der Generalschlüssel für Passwort-Resets).
- Alle Sitzungen beenden (überall abmelden) und API-/App-Tokens widerrufen.
- Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) aktivieren bzw. neu einrichten; unbekannte 2FA-Geräte entfernen.
- Fremde Zugänge entfernen: zusätzliche FTP-/SSH-/Datenbank-Benutzer, E-Mail-Weiterleitungen und -Filter, DNS-Records und Kontodaten prüfen.
- Kontakt- und Zahlungsdaten prüfen – wurde etwas geändert?
- Uns informieren – über dein Kundenkonto ein Support-Ticket eröffnen. Je früher, desto besser.
Schaden eingrenzen und aufräumen
- Betroffene Website in den Wartungsmodus nehmen oder offline schalten, wenn aktiv Schadcode ausgeliefert wird.
- Logdateien sichern, bevor du aufräumst (für die Ursachenanalyse).
- Schadcode und fremde Dateien entfernen – im Zweifel aus einem sauberen Backup wiederherstellen (Stand vor dem Vorfall).
- Reinigen oder neu aufbauen? Bei tiefer Kompromittierung (verteilte Hintertüren, gefälschte Zeitstempel, wiederholte Nachinstallation) lässt sich eine restlose Reinigung oft nicht zuverlässig sicherstellen – dann ist ein sauberer Neuaufbau der sichere Weg. Weniger Angriffsfläche = weniger Risiko (wenige, aktuelle Erweiterungen – oder eine statische Website ohne Datenbank).
- Die Lücke schließen: CMS, Plugins/Themes und PHP aktualisieren – sonst kommt der Angreifer zurück.
- Alle Website-Benutzerkonten als kompromittiert behandeln – auch Konten früherer Dienstleister/Agenturen. Nicht mehr benötigte Konten löschen.
- Abgeflossene Passwörter zählen überall: Wurde ein Passwort (oder eine Abwandlung) auch anderswo genutzt, dort ebenfalls ändern.
Wenn personenbezogene Daten betroffen sind
Sind möglicherweise personenbezogene Daten abgeflossen, greifen Melde- und Informationspflichten (DSGVO): Ein Datenschutzverstoß ist der Aufsichtsbehörde in der Regel innerhalb von 72 Stunden ab Kenntnis zu melden, betroffene Personen sind bei hohem Risiko zu informieren. Dokumentiere den Vorfall.
Deine Pflichten als Kunde – und was freiwillig ist
Beim Hosting gilt eine geteilte Verantwortung: Wir sichern die Infrastruktur, du bist für deine Zugänge, Anwendungen und Inhalte verantwortlich.
Pflicht
- Zügig reagieren und Schaden begrenzen – auch, um Dritte nicht zu schädigen (z. B. Spam-Versand oder die Verbreitung von Schadcode stoppen). Das folgt aus den Nutzungsbedingungen und der allgemeinen Sorgfaltspflicht.
- Eigene Zugänge und Systeme absichern – Passwörter, CMS, Plugins und Inhalte liegen in deiner Verantwortung.
- Datenschutz-Meldepflichten erfüllen, wenn personenbezogene Daten betroffen sind: Als Verantwortlicher meldest du den Vorfall der Aufsichtsbehörde (in der Regel innerhalb von 72 Stunden ab Kenntnis) und informierst bei hohem Risiko die betroffenen Personen. Wir sind Auftragsverarbeiter und melden dir einen Vorfall auf unserer Seite – die Meldung an die Behörde bleibt bei dir.
- Mit uns kooperieren und geänderte oder falsche Kontodaten korrigieren.
Keine Pflicht, aber empfohlen
- Strafanzeige bei der Polizei (bei Straftaten möglich, aber nicht verpflichtend).
- Forensische Analyse durch einen spezialisierten Dienstleister.
- Kunden oder Partner proaktiv informieren, soweit das nicht ohnehin durch die DSGVO gefordert ist.
- Zusätzliche Härtung wie WAF, Malware-Scanner oder Monitoring – dringend empfohlen, aber freiwillig.
- Cyber-Versicherung prüfen – falls vorhanden, verlangen die Bedingungen meist eine unverzügliche Meldung.
Was wir für dich übernehmen
- Sicherheit der Infrastruktur; auf Anfrage Sitzungen beenden, Passwörter zurücksetzen und Backups einspielen; Unterstützung bei der Analyse.
- Nicht in unserer Zuständigkeit: deine Anwendungspasswörter, dein CMS und deine Plugins, deine Inhalte sowie deine gesetzlichen Meldepflichten.
So beugst du künftig vor
- Starke, einzigartige Passwörter und ein Passwortmanager.
- 2FA überall aktivieren – die wirksamste Einzelmaßnahme, sobald ein Passwort in falsche Hände gerät. (Legt sich ein Angreifer über eine Software-Lücke ein eigenes Konto an, hilft 2FA allein nicht – deshalb ist aktuelle Software ebenso wichtig.)
- Software aktuell halten (siehe Updates: CMS, Plugins und PHP).
- Least Privilege: nur die nötigen Zugänge vergeben, alte/ungenutzte Accounts löschen.
- Regelmäßige, getestete Backups (siehe Backups: Intervall, Aufbewahrung, Rückspiel).
- HTTPS erzwingen und TLS aktuell halten.
- E-Mail-Authentifizierung (SPF/DKIM/DMARC) einrichten – verhindert, dass in deinem Namen Mails verschickt werden (siehe E-Mail einrichten).
- Auf Phishing achten: wir fragen Passwörter niemals per E-Mail oder Telefon ab.
- Monitoring und Malware-Scans einrichten, Zugänge und Ansprechpartner dokumentieren.
Achtung: Wenn du unsicher bist oder der Angriff andauert, warte nicht – eröffne ein Support-Ticket. Wir können Sitzungen beenden, Passwörter zurücksetzen, Backups einspielen und bei der Analyse unterstützen.
Hinweis: Dieser Artikel bietet eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei einem Datenschutzvorfall ziehe im Zweifel fachkundigen Rat hinzu.
